Neue Brille: Warum die Eingewöhnung Zeit braucht und völlig normal ist.
- kraftsicht
- 1. Juli
- 3 Min. Lesezeit
„Mit der neuen Brille sehe ich irgendwie komisch.“

Diesen Satz höre ich in meinem Alltag als Optiker immer wieder. Und ganz ehrlich: In den meisten Fällen ist das völlig normal.
Viele Menschen freuen sich wochenlang auf ihre neue Brille. Die Sehstärke wurde sorgfältig bestimmt, verschiedene Werte wurden verglichen und beim Sehtest war oft schnell klar: „Damit sehe ich deutlich besser.“
Umso größer ist die Enttäuschung, wenn beim Abholen der neuen Brille nicht sofort dieses erhoffte Wow-Gefühl eintritt.
Dabei steckt dahinter meist kein Fehler der Brille – sondern ein ganz natürlicher Anpassungsprozess.
Warum sich eine neue Brille zuerst ungewohnt anfühlt:
Unser Gehirn liebt Gewohnheiten.
Wenn Sie Ihre bisherige Brille mehrere Jahre getragen haben oder Ihre Augen nach einem langen Arbeitstag am Bildschirm müde sind, hat sich Ihr gesamtes Sehsystem an diese Situation angepasst.
Setzen Sie dann Ihre neue Brille auf, müssen sich Augen, Augenmuskeln und Gehirn erst auf die neue Brillenstärke einstellen.
Das bedeutet nicht, dass die Brille falsch ist.
Es bedeutet lediglich, dass sich Ihr Sehen neu organisieren muss.
Die Eingewöhnung an eine neue Brille ist völlig normal
Ein guter Vergleich sind neue Schuhe.
Wer tagelang dieselben Schuhe trägt und anschließend ein anderes Paar anzieht, läuft zunächst ebenfalls ungewohnt. Die Schuhe können perfekt passen – trotzdem fühlt sich das Laufen anders an.
Genauso verhält es sich mit einer Eingewöhnung an eine neue Brille.
Manche Menschen bemerken die Umstellung kaum.
Andere benötigen einige Stunden.
Und manche brauchen tatsächlich einige Tage oder sogar wenige Wochen, bis sich das neue Sehen vollkommen natürlich anfühlt.
Augenmuskeln müssen sich ebenfalls anpassen
Unsere Augen bestehen nicht nur aus einer Linse.
Auch die Augenmuskeln arbeiten ständig.
Wurde über längere Zeit eine etwas zu starke oder nicht mehr passende Brillenstärke getragen, verändert sich die Belastung der Muskulatur.
Mit der richtigen Korrektur arbeitet das Auge plötzlich wieder anders.
Das kann sich zunächst ungewohnt anfühlen – ähnlich wie ein Muskel nach einer neuen Bewegung oder einem anderen Training.
„Meine Augen sind schlechter geworden.“
Diesen Satz höre ich ebenfalls häufig.
Doch häufig sind die Augen gar nicht schlechter geworden.
Es gibt viele Ursachen für schlechteres Sehen:
Veränderungen der Sehstärke
Veränderungen der Augenlinse
Augenerkrankungen
Über- oder Unterkorrekturen der bisherigen Brille
Gewöhnung an eine falsche Belastung
Ein Brechungsfehler wird jedenfalls nicht „faul“. Oft geht es vielmehr darum, dass sich Augen und Gehirn über Jahre an eine bestimmte Sehsituation angepasst haben.
Warum der erste Eindruck manchmal täuscht
Eine neue Brille ist eine Investition.
Deshalb achten wir beim ersten Aufsetzen besonders kritisch auf jede Kleinigkeit.
Unser Gehirn sucht regelrecht nach Unterschieden:
„Der Boden wirkt schief.“
„Das Bild fühlt sich ungewohnt an.“
„Mit der alten Brille war das anders.“
Diese Reaktion ist völlig verständlich und menschlich.
Gerade deshalb ist eine gute Beratung beim Optiker so wichtig.
Gute Beratung bedeutet mehr als nur eine neue Brille
Für mich endet eine Beratung nicht mit der Übergabe der Brille.
Ich möchte, dass meine Kunden verstehen, warum sich ihre neue Brille zunächst anders anfühlen kann.
Denn wer weiß, was im Auge und im Gehirn während der Eingewöhnung passiert, geht viel entspannter mit den ersten Tagen um.
Eine gute Brille erkennt man deshalb nicht immer in den ersten fünf Minuten.
Manchmal zeigt sich ihre Qualität erst, wenn Augen und Gehirn genügend Zeit hatten, sich auf das neue, bessere Sehen einzustellen.
Mein Tipp: Tragen Sie Ihre neue Brille möglichst konsequent und geben Sie Ihren Augen
etwas Zeit. In den meisten Fällen verschwindet das ungewohnte Gefühl von ganz allein. Sollte das nicht der Fall sein, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Optiker – denn eine gute Beratung endet nicht mit dem Brillenkauf.



Das klingt sehr logisch und schön, dass mal verstanden zu haben.